Wie erbringe ich den Nachweis gemäß RuStAG 1913?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen lautet: „Wie erbringe ich den Nachweis einer Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaat gemäß Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913?“ Die nachfolgende Anleitung gibt Dir eine Hilfestellung zum richtigen Ableiten der Vorfahren.

Welche Dokumente sind zur Ableitung erforderlich?

Die wichtigsten Dokumente sind Geburtsurkunden, Auszüge aus dem Geburtenregister, Eheschließungsurkunden sowie Sterbeurkunden. Diese bekommt man beim Einwohnermeldeamt bzw. Standesamt. Wer über die originalen Familien- bzw. Stammbücher verfügt, erspart sich den Gang zum Amt und die Ausstellung beglaubigter Kopien.

Alle Dokumente müssen im Original oder als beglaubigte Kopien vorliegen!

Mit vorgenannten Dokumenten musst Du lückenlos Deine Abstammung von deutschen Vorfahren bis zum Stichtag 31.12.1913 nachweisen, wobei der Familienstand der Vorfahren wichtig für die Ableitung ist: Bist Du oder einer Deiner Vorfahren aus einer ehelichen Beziehung geboren, leitest Du vom Vater ab, wo hingegen ein Kind aus einer unehelichen Beziehung von der Mutter abgeleitet wird. So arbeitet man sich rückwärts bis zum Stichtag. Der Geburtsort Deines vor dem 31.12.1913 geborenen Erblassers ist maßgeblich für Deine Staatsangehörigkeit. Um heraus zu finden, zu welchem Bundesstaat ein bestimmter Ort gehört, nutzt Du das Gemeindeverzeichnis 1900.

Hinweis: Bei der Verwendung von Geburtsurkunden ist bei ehelichen Geburten die Eheschließungsurkunde der Eltern beizubringen. Wird ein Kind unehelich geboren, erlangt es die Staatsangehörigkeit des Vaters, wenn die Eltern heiraten, solange das Kind noch minderjährig ist. Die Eheschließungsurkunde ist beizubringen.

Schema zur Ableitung
Schema zur Ableitung

Eine weitere übersichtliche Grafik zur Ableitung der Staatsangehörigkeit im PDF-Format gibt es hier.

Wichtiger Hinweis für weibliche Deutsche.

§ 6
Durch die Eheschließung mit einem Deutschen erwirbt die Frau die Staatsangehörigkeit des Mannes.

§ 10
Die Witwe oder geschiedene Ehefrau eines Ausländers, die zur Zeit ihrer Eheschließung eine Deutsche war, muß auf ihren Antrag von dem Bundesstaat, in dessen Gebiet sie sich niedergelassen hat, eingebürgert werden, […]

Aus dem Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913

Dies bedeutet in der Praxis zum einen, daß mit einem nachgewiesenen Deutschen verheiratete Frauen automatisch die Staatsangehörigkeit des Ehemannes besitzen und der Nachweis seiner Linie inkl. der entsprechenden Eheurkunde ausreicht.

Zum anderen bedeutet dies aber auch, daß von einem Ausländer (dazu zählen auch nicht nachgewiesene Deutsche) geschiedene oder verwitwete Frauen zu diesem Zeitpunkt leider als staatenlos zu betrachten sind, bis die Handlungsfähigkeit des deutschen Gesamtstaates und der Bundesstaaten des Ewigen Bundes wiederhergestellt ist und erneut Einbürgerungen vorgenommen werden können. Es sei denn, sie können den Nachweis erbringen, daß es sich bei dem zuletzt geehelichten Ehemann um einen nachgewiesenen Deutschen handelt, indem sie dessen Abstammung gemäß dieser Anleitung vorlegen können.

Direkte Hilfen zu diesen und anderen Sonderfällen werden auf Telegram in der Gruppe "BE-Nachweise" geboten.

Quellen für Dokumente.

Urkunden sind in der Regel bei dem Standesamt erhältlich, bei dem die Geburt oder Eheschließung stattfand. Man kann die Urkunden dort vor Ort abholen oder, wenn man alle Rahmendaten kennt, sie auch postalisch oder online anfordern (Suche: Standesamt online).

Für Nachweise aus den unter polnischer oder russischer Verwaltung stehenden Gebieten Preußens ist das Standesamt 1 in Berlin zuständig. Da die Recherche für diese Gebiete häufig negativ verläuft, ist es sinnvoll, hier auch Tauf- und Kirchenregister als Quellen in Betracht zu ziehen.